Rallye-Seminar in Celle

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Lars Pinkenburg
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Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Lars Pinkenburg » 09.04.2019, 21:49

Moin zusammen!

Hier ein kleiner Bericht zum Rallye-Seminar in Celle am vergangenen Samstag, den 06.04.2019.

Ich bin zu unmenschlicher Stunde in Hamburg aufgebrochen um ja nicht zu spät in EDXQ einzutreffen - angepeilt war 8 Uhr. Auf der Autobahn ging es aber schon durch dichte Nebelschwaden, die sich dann noch ein paar Stunden gehalten haben. So konnten wir in aller Ruhe die Flieger vorbereiten und es blieb auch noch Zeit die Navis der KL und FG zu aktualisieren (Software-Updates, neue ICAO Karten). Gegen 10 Uhr sind wir dann mit vier Maschinen nach Celle aufgebrochen. Der Start des Seminars wurde verschoben, Teilnehmer aus Hildesheim sind mit dem Auto nach Celle gefahren weil sich der Nebel dort einfach nicht auflösen wollte.

In Celle wurden wir mit Kaffee und Mettbrötchen begrüßt und dann ging es auch schon los mit der Präsentation, eine Einführung in die Rallye-Fliegerei. Persönlich muss ich sagen, um einiges komplexer als gedacht! Aber machbar, wie sich später zeigen sollte.
Nach der Theorie folgte die Praxis, das Gute alte "Learning by doing".
Jedes Team (Pilot & Copilot) bekam einen Umschlag mit allen Unterlagen gereicht, darin Ab- und Anfluginfos, der Streckenverlauf und Bilder von Landmarken auf der Strecke. Diese konnte man teilweise schon anhand der Karte zuordnen. Die Aufgabe des Copiloten ist es, diese im Verlauf des Fluges zu verifizieren und weitere Landmarken anhand der Bilder zu erspähen und in die Karte einzutragen. Außerdem gab es einen Planungstest, den man vor dem Start der Rallye ausfüllen musste und der ebenfalls in die Wertung einging. Prinzipiell war das eine Flugplanung auf Basis angenommener TAS und WS. Die echte Flugplanung bekommt man kurz vor dem Start fertig berechnet und auf Basis der gewünschten TAS.
In der Vorbereitung wurde gesagt, dass man eher zu wenig angeben sollte um die Strecke entspannt abfliegen zu können und nicht die ganze Zeit am Vollgas hängt um die Zeiten einhalten zu können. Ich will schon mal vorwegnehmen, dass Bernd und ich in der FG deutlich zu tief gegriffen haben mit 65kt und die Rallye eher "gesegelt" als geflogen sind :P
An dieser Stelle noch mal generell zu Flugrallyes:

Es geht nicht darum möglichst schnell zu sein. Flugrallyes drehen sich ausschließlich um Präzision, wie ich lernen durfte. Man bekommt also einen Streckenverlauf (siehe unten) und einen berechneten Flugplan auf Basis der TAS. Auf diesem Plan sind die Zeiten an jedem Wegpunkt angegeben. Man sollte also an diesem Punkt zu möglichst genau dieser Zeit sein. Die Flughöhe und Geschwindigkeit spielt dabei keine Rolle (diese müssen sich natürlich im legalen Rahmen bewegen, versteht sich). Die Profis treffen Wegpunkte mit Abweichungen von wenigen Sekunden. Persönlich haben wir vor Start der Rallye eine Abweichung von wenigen Minuten als befriedigend angesetzt ;)
Trifft man einen Wegpunkt nicht oder hat zeitliche Abweichungen, gibt es Strafpunkte. Zudem kommen Verbote wie bspw. auf der Strecke Vollkreise zu drehen. Ebenso gibt es Strafpunkte für Kursabweichungen von mehr als 90°.

An der Rallye haben 7 Flugzeuge teilgenommen. Gestartet wurde im 3-Minuten Takt - vom schnellsten Flugzeug bis zum langsamsten. Ihr könnt Euch denken - das beste kam zum Schluss! Die KL und FG mit Startnummer 6 und 7.
Nichts für Ungut, Hans-Jürgen (der mit der Skylane am Start war) ;)

Der Start erfolgt auf die Sekunde genau, in unserem Fall um 15:45 Uhr. Man steht auf der Bahn, schaut auf die Uhr (viele hatten Funkuhren dabei, wir haben uns auf Bernd's Handy verlassen). und gibt "kurz vor voll" Vollgas.
Innerhalb von 8 Minuten mussten wir am Startpunkt sein, dem ersten Wegpunkt auf der Strecke. Wir waren natürlich zu früh dort, da die 65kt sogar für die C42 lächerlich langsam sind...

Am Startpunkt geht der Stress richtig los: Luftraum beobachten, Karte, Kompass und Navi vergleichen, den nächsten Wegpunkt in der Landschaft ausmachen, mit dem Copiloten nach Wegbildern suchen, Funk hören, auf die Uhr schauen und mit den "Minutenstrichen" auf der Karte vergleichen. Ist man zu schnell? Oder doch zu langsam? Und wieder Schub und Anstellwinkel korrigieren. Und direkt die ganze Liste von vorne. Und das Dank unserer phänomenalen TAS zwei Stunden lang!
Das klingt nun schlimmer als es war, der Workload ist aber deutlich höher als bei einem Kaffeeflug auf die Inseln. Man merkt den kompetitiven Charakter und will ja auch selber nicht komplett versagen.

Also ging es hochkonzentriert von Celle über die A7 Richtung Hodenhagen hoch an Walsrode und Soltau vorbei. Leichte Wende über Bispingen Richtung Osten. Nord-westlich von Ülzen Richtung Süden. Bis hierher konnte man sich recht gut an den großen Orten und der Autobahn orientieren. Doch nun sieht alles "gleich" aus. Kleine Ortschaften, viele Wiesen und Felder aber nichts wirklich markantes mehr. Zudem drehte der Kurz nun immer Weiter Richtung Süd-West, gegen die Sonne und den Dunst.
Der Kurs ging praktisch einmal rund um die ED-R 31 und angrenzende ED-Rs (Truppenübungsplatz Bergen).

In unserem Kursverlauf sehr schön zu sehen, die Kursabweichungen sind verwechselte Ortschaften. Das erste Mal konnte ich noch korrigieren, danach waren wir verloren ;) Hier sei gesagt, dass man das Navi mit der ICAO-Karte "knicken" kann. Die Details der Wendepunkte auf der Papierkarte werden dort nicht annährend wiedergegeben. Für das nächste Mal weiß ich schon: Stur nach Kurs fliegen! Ich habe mich zu sehr an Landmarken entlangehangelt. Das hat auch erst gut funktioniert, wenn es dann keine mehr gibt - schwierig.

Nach rund 1:45 Flugzeit sind wir dann am ZP (Zielpunkt) angekommen. Zurücklehnen konnten wir uns aber noch nicht, zum Abschluss musste man noch eine Ziellandung meistern. Da konnten Bernd und ich zum Glück noch Punkte wieder gutmachen, die uns den ein oder anderen Schlenker auf der Route wieder ausgebügelt haben 8-)

Zurück am Platz haben wir bei bestem Wetter noch nicht-alkoholische Getränke geschlürft und auf die erste Auswertung hingefiebert. Denn es ist sehr schwer selber einzuschätzen, wie man denn so war - jedenfalls als Anfänger.
Einen Vergleich gab es nicht, war ja auch "just for fun" und zum Lernen. Dafür hat jedes Team hilfreiches Feedback und Tipps bekommen.
Alles in allem eine tolle Veranstaltung! Es hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht. Nicht nur das Seminar, gerade mit vier Flugzeugen und acht Piloten vom BVL unterwegs zu sein war klasse.

Wir haben uns schon fest vorgenommen alsbald einen ähnlichen Ausflug zu organisieren. Dann aber zum Kaffeetrinken - jeder der sich anschließen möchte, ob mit oder ohne Flugzeug, ist herzlich Willkommen!

Zum Abschluss noch meine "Lessons Learned":
  • Vorbereitung ist das A und O. Es ist keine gute Idee sein Kniebrett zu vergessen und dann 2 DIN A4 und eine DIN A3 Seite auf dem Schoß liegen haben zu müssen. Bei einer Rallye ist Organisation im Cockpit besonders wichtig sonst kommt man völlig durcheinander
  • Wenn man normalerweise mit der C42 entspannte ~140 km/h fliegt sollte man das auch angeben. Und nicht 120 km/h
  • Primär nach Kurs fliegen, sekundär Landmarken abgleichen. Sonst ist man aufgeschmissen, wenn es keine prägnanten Landmarken mehr gibt
  • Funkuhr mit guter Befestigung mitnehmen statt ein Handy, das ständig umkippt
  • Statt alle Minutenstriche einzutragen, lieber weniger, die an prägnanten Punkten liegen. So kann man auch zwischen Wendepunkten gut abschätzen, ob man in der Zeit liegt
Unser TAS-Problem könnt ihr der Auswertung auch sehr gut entnehmen: Erst zu schnell, dann gefühlt nur am "weißen Bereich" um ja nicht zu früh am nächsten Wegpunkt anzukommen.
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Und nun zu den Bildern, mit Dank an Götz!
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Schöne Grüße,
Lars

Andreas Huth
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Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Andreas Huth » 10.04.2019, 07:20

Toller Bericht. Das macht Laune auf mehr und vor allem auf mitmachen. Ich freu mich schon auf die Rallye.
Eines wäre von meiner Seite zu bemerken. Je schneller man fliegt, desto weniger Zeit bleibt während des Fluges Bilder zu erkennen. Auch eine versehentliche Kursabweichung lässt sich eher korrigieren, weil man etwas mehr Zeit hat sich wieder zurechtzufinden.
Dafür kann man gerne in kauf nehmen, mal mit weniger Drehzahl als gewöhnlich zu fliegen. Das wird dem Motor nicht schaden. Ist aber natürlich Geschmacksache.

hans-juergen thom
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Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von hans-juergen thom » 10.04.2019, 21:38

Hast Du vortrefflich geschildert, Lars.
Und tolle Fotos von Dir, Götz.
Das schöne an der Fliegerei - neben dem besonderen Erlebnis - ist für mich, daß man immer wieder lernen muß. Kein Flug ist wie der andere, kein Tag ist wie der andere.
Und das gemeinschaftliche Erlebnis stellte noch ein zusätzliches, besonderes Erlebnis dar.
Wir sollten tatsächlich mehr gemeinsame Flüge unternehmen :)
herzliche Grüße

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Reinhard Nuhn
Gruppenleitung
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Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Reinhard Nuhn » 11.04.2019, 18:56

Lars, da hast u einen schönen Bericht abgeliefert.
Das macht Lust auf eine Teilnahme und Wiederholung unserer eigenen Veranstaltung der UL-Gruppe aus dem letzten Jahr.
Liebe Grüße
Reinhard

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Oliver Seack
Beiträge: 91
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Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Oliver Seack » 11.04.2019, 23:33

Moin Lars,

danke für Deinen ausführlichen Bericht. Das klingt wirklich spannend!

Viele Grüße,

Oliver

Thomas Friese
Beiträge: 28
Registriert: 11.09.2018, 17:27

Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Thomas Friese » 12.04.2019, 09:16

Hallo Lars,

ein toller Bericht. Es freut mich sehr, dass sich eine Gruppe aus unseren Reihen für das Rallyefliegen gefunden hat
Weiter so !!!
Viele Grüße
Thomas

Rainer Ludwigs
Beiträge: 6
Registriert: 24.03.2019, 13:29

Re: Rallye-Seminar in Celle

Beitrag von Rainer Ludwigs » 13.04.2019, 17:31

Der Platz sieht jedenfalls auch ganz sympathisch aus. Zum Kaffeetrinken käme ich bestimmt mal mit...

Rainer

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